Spenge, 06. Oktober 2008

Rundbrief Nr. 5 / 2008

Liebe Freundinnen und Freunde der Werburg!


Wenn die Kornfelder abgeerntet sind, kündigen sich schon bald die letzten Tage des Sommers an. Und wenn sich dann die Blätter der Bäume verfärben, dann ist die Herbstzeit angebrochen. Jeder denkt, geht denn das Jahr schon wieder dem Ende entgegen? Nicht zu glauben, nach dem Winter hat man das Erwachen der Natur herbeigesehnt, hat sich auf warme Sommertage gefreut und schon strebt die Natur dem Herbst entgegen.

Für den Werburg-Verein ist das Jahr ebenso schnell vergangen. Im Frühjahr die Enttäuschung, dass wohl in diesem Jahr noch nicht mit der Sanierung des Herrenhauses begonnen werden kann, doch dann kam die Sonne höher und unsere Architektin Cornelia Lange sorgte dafür, dass doch noch die ersten Gelder bereitgestellt werden konnten. So war endlich der Startschuss für die Sanierung des Herrenhauses gefallen. Und dann ging es Schlag auf Schlag.

Das Gutachten der Architektin war erstellt, das Nutzungskonzept vom Werburg Verein erarbeitet, der Fachausschuss der Stadt hatte grünes Licht gegeben, es konnte losgehen. Zahlreiche, freiwillige Bauhelfer – größtenteils Mitglieder des Werburg-Vereins, aber auch andere Freunde der Werburg -  befreiten die Balken vom Epoxit-Harz, das das Holz ins Verderben führte, sie entfernten Ziegel und Feldsteine aus den Gefachen und sorgten damit dafür, dass die versierten Zimmerleute die Sanierung vorantreiben konnten. Zum Ende des Herbstes wird das Gebäude winterfest sein, und im nächsten Frühjahr beginnt ein neuer Bauabschnitt.

Die Archäologen haben ebenso erfolgreich gearbeitet. Es sind viele neue Erkenntnisse gewonnen worden. Wer die Führungen am Tag des offenen Denkmals miterlebt hat, kann sich jetzt ein Urteil darüber bilden, welche Entwicklungen die Werburg genommen hat. Ein Dankeschön deshalb an die Grabungsmitarbeiter, die uns Gewissheit über das Leben der früheren Bewohner gebracht haben. Die zahlreichen, wertvollen Fundstücke sind ein Zeugnis für das Leben im 17. Jahrhundert, dem wir gerne Leben einhauchen möchten.

So geht denn auch das Veranstaltungsjahr des Vereins dem Ende entgegen. Es ist aber noch mal ein kultureller Leckerbissen geplant:

Am Mittwoch, dem 15. Oktober 2008, laden wir Sie zu einem Augustin-Wibbelt-Abend mit plattdeutschen und hochdeutschen Texten des großen niederdeutschen Lyrikers und Erzählers ein. Rainer Schepper aus Münster, der dem Dichter in jungen Jahren persönlich nahegestanden hat und einen großen Teil des Nachlasses von Wibbelt besitzt, wird den Abend gestalten. Außer Proben aus der unvergleichlichen mundartlichen Lyrik, den heiteren Tier- und Kindergedichten sowie humorvollen Gedichten kommen als Proben der imponierenden Erzählkunst des Dichters zum Vortrag: aus dem Roman „Dat veerte Gebott“ das Kapitel „Studiosus Niggekamp“,  die hochdeutsche Plauderei „Eine literarische Erinnerung“ und die zwerchfellerschütternde übermütig-lustige Kurzgeschichte „Mamsell up Reisen“ von der Pastorenhaushälterin, die von einer Reise an den Rhein zur größten Verwunderung ihres Pfarrers ein Findelkind mit nach Hause bringt.

Wer war Augustin Wibbelt? Hier deshalb eine kurze Biographie. Augustin Wibbelt wurde am 19. September 1862 auf dem Wibbelthof in Vorhelm (heute Ortsteil von Ahlen, Kreis Warendorf) als siebtes von zehn Kindern geboren. Schon als Zwölfjährigen schickte ihn sein Vater für drei Jahre auf die Lateinschule des Vikars im benachbarten Enniger. 1878 trat er in die Obertertia des Gymnasiums Carolinum in Osnabrück ein. Da dort seit langer Zeit keine so guten Abiturarbeiten mehr angefertigt worden waren wie seine, wurde ihm die mündliche Prüfung erlassen. Er durfte die Abiturrede halten, von der auch in der Zeitung berichtet wurde: Wibbelt solle seine Aussprache verbessern, da man ihm noch all zu sehr die münsterländische Herkunft anhöre.

Im Jahr 1883 nahm Wibbelt das Studium der Philologie in Münster auf. Doch im zweiten Semester fühlte er sich dazu berufen, Priester zu werden. Sein Vater erlaubte ihm dies nur unter der Bedingung, dass Augustin zuvor ein Jahr Militärdienst leiste. Im Herbst 1884 meldete dieser sich dazu in Freiburg im Breisgau, wo er, angeregt durch die "Alemannischen Gedichte" Johann Peter Hebels, begann, plattdeutsche Verse zu schreiben.

Zurück in Münster setzte Wibbelt sein Theologiestudium fort und trat Ostern 1887 in das dortige Priesterseminar ein. Nach der Priesterweihe am 26. Mai 1888 wurde ihm eine Kaplanstelle in Moers am Niederrhein zugewiesen. Ende 1890 wurde der junge Priester wieder nach Münster versetzt. Hier arbeitete er als Redakteur der katholischen Zeitschrift "Ludgerus-Blatt" und war Vikar in St. Martini. In dieser Zeit begann Wibbelt, plattdeutsche Beiträge zu publizieren: Für das "Ludgerus-Blatt" verfasste er nämlich neben zahlreichen Artikeln zu weltanschaulichen Themen in hochdeutscher Sprache amüsante Dialoge und Erzählungen in seinem Dialekt. Hier wurden so bekannte Figuren wie die Drüke-Möhne oder Vader Klüngelkamp zum Leben erweckt.

Augustin Wibbelt wurde Ende 1896 nach Oedt am Niederrhein versetzt. Zwei Jahre später war er Kaplan in der Gemeinde St. Joseph in Duisburg. In dieser Zeit veröffentlichte er die ersten seiner Erzählungen in Buchform und promovierte in Tübingen mit dem Thema "Joseph von Görres als Literarhistoriker" zum Dr. phil.

Auf eigenen Wunsch erhielt Wibbelt die Leitung der kleinen Kirchengemeinde Mehr bei Kleve, in die er am 7. November 1906 eingeführt wurde. Hier wirkte er fast dreißig Jahre lang, bis er im Mai 1935 in den Ruhestand trat und auf den elterlichen Hof nach Vorhelm zurückkehrte. Wibbelt, der für sein dichterisches Werk 1946 den Annette von Droste-Preis der Provinz Westfalen erhielt, starb am 14. September 1947.

Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im Werburger Torhaus, Karten können im Vorverkauf zum Preis von 8,00 Euro in der Buchhandlung Nottelmann erworben werden, an der Abendkasse kosten die Karten 10,00 Euro. Diesen Abend sollte man sich nicht entgehen lassen, wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Damit geht dann ein erfolgreiches Jahr zu Ende, stets waren die Veranstaltungen gut besucht. Das zeugt von dem großen Interesse, das man der Werburg entgegenbringt und ermutigt den Vorstand, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen.

Wir wünschen Ihnen – vielleicht noch etwas früh, aber die Zeit vergeht ja wie im Fluge – einen farbenfrohen Herbst, eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen fröhlichen Jahresausklang. Bleiben Sie der Werburg gewogen und versuchen Sie, neue Mitglieder zum Mitmachen zu bewegen. Wir nähern uns der Mitgliederzahl 200 und für das zweihundertste Mitglied halten wir einen wertvollen Bildband über unsere Werburg bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Werburg Spenge e.V.

Der Vorstand

PS. Der Herbstmarkt  am letzten Septembersonntag war ein riesiger Erfolg, wir danken an dieser Stelle recht herzlich allen, die mit ihrer Hilfe und den zahlreichen Kuchenspenden dazu beigetragen haben.


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